Über die Organisation eines Fototages
Mitarbeiterporträts planen, ohne Menschen zu verstecken
Valerie Schöning5 Min.
Über die Organisation eines Fototages
Mitarbeiterporträts planen, ohne Menschen zu verstecken
Was vor dem Fototermin geklärt werden muss, damit am Tag selbst niemand eine Theaterrolle spielen muss.
Der häufigste Fehler bei Mitarbeiterporträts passiert vier Wochen vor dem Termin, und er sieht harmlos aus. Jemand aus der Kommunikationsabteilung verschickt eine Rundmail mit dem Betreff „Fototermin, bitte alle teilnehmen“ und hängt einen Kalendereintrag an. Damit ist das Ergebnis bereits festgelegt, und es wird aussehen wie ein Ausweislichtbild mit grauem Hintergrund.
Ich habe in den letzten Jahren etwa dreissig solcher Tage begleitet, und die Qualität der Bilder hing fast nie von der Ausrüstung ab. Sie hing davon ab, wie die drei Wochen davor organisiert waren. Was dabei zu tun ist, lässt sich in fünf Punkten zusammenfassen.
Erstens: die Verwendung vor der Person klären
Bevor irgendjemand gefragt wird, muss feststehen, wo die Bilder erscheinen. Karriereseite, Geschäftsbericht, LinkedIn, Messe, interne Broschüre. Das klingt nach Formalität und ist der entscheidende Punkt, denn die Antwort verändert, was die Menschen am Aufnahmetag erwarten dürfen. Wer weiss, dass sein Bild nur intern im Intranet landet, sitzt anders auf dem Stuhl als jemand, der damit rechnen muss, auf einer Fachmesse in vier Metern Höhe wieder aufzutauchen.
Aus dieser Liste folgt direkt die rechtliche Seite. Ohne schriftliche Einwilligung, die den konkreten Zweck benennt, geht es nicht. Die Einzelheiten dazu stehen unter Bildrechte bei Mitarbeiterfotos, und es lohnt sich, sie vor der Rundmail zu lesen statt danach.
Zweitens: freiwillig heisst freiwillig
Schreiben Sie in die Einladung ausdrücklich hinein, dass die Teilnahme freiwillig ist und dass niemand einen Nachteil hat, der nicht möchte. Dieser Satz kostet nichts und verändert die Stimmung des Tages erheblich. In der Praxis kommen dann etwa zwei Drittel der Belegschaft, und das ist genug.
Wichtiger als die Zahl ist der zweite Teil, und er wird fast immer vergessen: Wer nicht im Bild sein will, darf trotzdem Teil der Reportage werden. Wir fotografieren dann die Hand an der Maschine oder einen Ausschnitt, in dem niemand erkennbar ist. Glaubwürdiger als eine vollständige Aufstellung ist ein Betrieb, in dem niemand fehlt und trotzdem nicht alle zu sehen sind. Wie man solche Aufnahmen in eine Serie einbaut, steht unter Warum eine Bildserie mehr erzählt.
Drittens: den Tag realistisch takten
Rechnen Sie mit zwanzig Minuten pro Person und nicht mit acht. Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die sitzen nach zwei Minuten, und es gibt solche, die erst nach zehn Minuten anfangen, sich zu bewegen. Wenn der Plan acht Minuten vorsieht, bekommen Sie von der zweiten Gruppe ausschliesslich Anspannung. Was in diesen zwanzig Minuten passiert und warum sie sich nicht abkürzen lassen, steht unter Ein gutes Porträt beginnt vor der Kamera.
Zwölf Personen an einem Tag sind eine Obergrenze und nicht ein Ziel. Wer mehr braucht, plant zwei Termine, am besten mit einer Woche Abstand. Das hat einen zweiten Vorteil: Beim zweiten Termin wissen alle im Haus, wie es abläuft, weil es sich herumgesprochen hat.
Viertens: den Ort und die Reihenfolge festlegen
Suchen Sie einen Platz, an dem Tageslicht hinkommt, und einen zweiten als Rückfallebene. Eine Wand mit einer Steckdose und einem Aktenschrank daneben ist kein Hintergrund, sondern ein Versehen. Wenn im Haus kein brauchbarer Raum vorhanden ist, ist es günstiger, für einen Tag ein Studio anzumieten, als die Bilder später zu bereuen.
Bei der Reihenfolge gilt ein einfacher Grundsatz: Wer unsicher ist, kommt früh. Die ersten drei Termine eines Tages sind die entspanntesten, weil noch nichts pressiert, und in dieser Zeit entstehen die Bilder, die später am häufigsten verwendet werden. Die Geschäftsführung gehört übrigens nicht an den Anfang. Sonst meinen alle anderen, es müsse besonders förmlich zugehen.
Fünftens: Pausen und Rückzugsorte einplanen
Ein Fototag ist für die Beteiligten anstrengender als ein normaler Arbeitstag, auch wenn sie nur zwanzig Minuten davon beansprucht. Planen Sie zwischen den Terminen zehn Minuten Leerlauf ein, in denen niemand etwas von der Fotografin oder dem Fotografen will. Und stellen Sie einen Raum bereit, in dem sich jemand umziehen oder kurz durchatmen kann.
Für die Vorbereitung der Einzelnen gilt dasselbe wie für private Termine. Zwei Oberteile, keine neuen Schuhe, keine Anweisung von oben, welche Farbe getragen werden soll. Was in die Tasche gehört und was besser zu Hause bleibt, steht in der Checkliste zur Vorbereitung, die Mira Al-Mansoor und Arnold Hahn gemeinsam geschrieben haben.
Ein vierter Punkt gehört zur Auswahl dazu, auch wenn er erst nach dem Termin ansteht. Wer die Bilder anschliessend für eine Website braucht, sollte die Kriterien kennen, nach denen dort ausgewählt wird. Sie stehen unter Bilder für die Unternehmenswebsite auswählen.
Was am Ende dabei herauskommt
Ein gut geplanter Fototag liefert keine Sammlung von Einzelporträts, sondern eine zusammenhängende Bildsprache. Das Team wirkt wie ein Team und nicht wie eine Reihe von Bewerbungsfotos. Der Unterschied entsteht nicht durch ein einheitliches Hemd, sondern dadurch, dass alle am selben Ort unter demselben Licht fotografiert wurden.
Wer die Wahl hat zwischen einer geliehenen Bilddatenbank und einem Fototag im eigenen Haus, findet die Argumente dafür und dagegen unter Unternehmensfotos, die nach Unternehmen aussehen.
Dasselbe gilt für die Zusammenarbeit mit dem Ort. Wenn ein Betrieb in einem Gebäude arbeitet, das eine Geschichte hat, sollte man das nutzen und nicht wegretuschieren. Wie stark ein Stadtteil oder ein Bau ins Bild kommen kann, ohne zur Kulisse zu werden, beschreibt Lukas Lindemann unter Fotografieren in Fechenheim und Frankfurt.
Zwei Punkte zum Schluss, die häufig vergessen werden. Erstens: Die Auswahl gehört nicht in die Hände der Geschäftsführung allein. Wer auf den Bildern vorkommt, sollte die eigene Aufnahme sehen dürfen, bevor sie veröffentlicht wird. Zweitens: Die Beschreibung der Bilder ist Teil der Arbeit. Ein Teamfoto ohne sinnvollen Alternativtext ist für einen Teil des Publikums nicht vorhanden. Wie man das richtig macht, steht unter Alt-Texte für Fotografien.
Und die Frage, die an solchen Tagen am häufigsten gestellt wird, kommt fast immer von derselben Personengruppe und lautet immer gleich. Die Antwort darauf steht unter Was mache ich mit meinen Händen?.
Valerie Schöning
Valerie Schöning war zwölf Jahre Kulturjournalistin, bevor sie die Redaktion des Studios übernahm. Sie entscheidet, welche Bilder eine Geschichte tragen und welche nur Platz wegnehmen. Ihre Geduld mit austauschbaren Hochglanzmotiven ist begrenzt, ihre Geduld mit Betrieben, die ihre eigene Wirklichkeit zeigen wollen, sehr groß.
„Drei krawattenlose Manager, die auf ein leeres Tablet deuten, erklären keine Kompetenz.“